Die Stadtteilmütter im Reuterkiez

Nisrine Jaafer und Faizun Nahar Chowdhury arbeiten als „Stadtteilmütter“ im Reuterkiez. Sie leben beide schon viele Jahre dort und sind der „Schlüssel“ zu den Türen von Familien, die durch Sozialarbeit und Jugendämter nicht geöffnet werden können.

Stadtteilmütter

Nisrine Jaafer und Faizun Nahar Chowdhury

Was tut eine „Stadtteilmutter“, wer kann ihre Unterstützung in Anspruch nehmen?

Für beide Frauen ist der Reuterkiez Lebensmittelpunkt. Hier gehen ihre Kinder zur Schule und in die Kita, hier wohnen Familie, Bekannte und Freunde, hier gibt es vielfältige Einkaufsmöglichkeiten, Cafés, Spielplätze und Freizeitmöglichkeiten. Das macht ihre Arbeit so erfolgreich. Durch das Eingebundensein in das Kiezleben, regelmäßige, wöchentliche Informationsveranstaltungen in den Grundschulen, Elterncafés und Kitas, die Teilnahme am Frauenfrühstück oder an Kiezfesten, knüpfen die Stadtteilmütter Kontakt zu anderen Eltern. So helfen sie, Sprachbarrieren zu überwinden und informieren über wichtige Themen in Bereichen der Kindererziehung und Unterstützungsmöglichkeiten für Familien. Sie geben ihr Wissen weiter, machen Hausbesuche, übersetzen Briefe oder dolmetschen und vermitteln an Beratungsstellen. Die 6-monatige Ausbildung zur Stadtteilmutter umfasst die Qualifizierung in 10 Themenbereichen: vom Bildungssystem über Gesunde Ernährung, Rechte von Kindern bis zur Suchtvorbeugung. Zahlreiche Broschüren, die in vielen Sprachen erhältlich sind, informieren darüber und über entsprechende Beratungs- und Anlaufstellen. Das Bezirksamt Neukölln hat von 2006 bis 2016 rund 400 migrantische Frauen ausgebildet von denen rund 70 derzeit aktiv in Neuköllner Quartiersmanagementgebieten und den ehemaligen Zielgebieten des Programms „Aktionsraum Plus“ tätig sind. Das Integrationsprojekt wird aus Programmitteln des Bezirks Neukölln, der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt und des JobCenters Berlin-Neukölln finanziert. Träger des Projektes ist das Diakoniewerk Simeon gGmbH. Über diese Kooperationspartner ist eine Finanzierung bis Ende 2019 gesichert. Die Regelfinanzierung des mit 11 nationalen und internationalen Preisen ausgezeichneten Projektes steht noch aus.

Wo kann man die „Stadtteilmütter“ treffen?

Das Erkennungszeichen der Stadtteilmütter ist stets ein roter Schal, eine rote Umhängetasche und das Namensschild. Sehr wichtig ist die Zusammenarbeit mit Kindertagesstätten, Grundschulen, Eltern- und Nachbarschaftstreffs, Beratungsdiensten und der Jugendhilfe im Kiez. Schulleitungen, Lehrer_innen und das Personal von Kitas oder des elele unterstützen die Stadtteilmütter Räumlichkeiten und der Organisation von Veranstaltungen. Die Villa Kunterbunt bietet beispielsweise jeden ersten Mittwoch eine Lernwerksatt an. Dort können Kinder zusammen mit ihren Eltern zu verschiedenen Themen experimentieren. Neu ist das Elterncafé in der Villa Kunterbunt jeden Freitag. Ebenso entstehen auf dem Rütlicampus neue Räumlichkeiten für Eltern. Auch hier sind die Stadtteilmütter stets dabei. Zusammen mit der Elterninitiative des Rütlicampus organisieren sie die Öffnung des Winterspielplatzes jeden Sonntag von 14-17 Uhr.

Wie erleben die „Stadtteilmütter“ den Reuterkiez privat?

Der Reuterkiez ist Frau Jaafers „Lieblingsort“. „Ich möchte nie diesen Ort verlassen“. Auch für Frau Chowdhury ist der Reuterkiez etwas „sehr besonderes“. Es gibt alles was man braucht, beide Frauen betonen „Multikulti“, den Zusammenhalt und die Unterstützung unter den Bewohner_innen sowie die Kommunikation auf der Straße als Wohlfühlfaktoren. Sie haben gute Kontakte zu Menschen eigener und anderer Herkunft, auch zu den deutschen Mitmenschen. Nisrine Jaafer aus dem Libanon wohnte anfangs in Spandau. Vor 11 Jahren zog nach Neukölln, weil sie sich als „einzige arabische Frau mit Kopftuch“ in ihrem Wohnumfeld nicht sehr wohl fühlte. Faizun Nahar Chowdhury aus Bangladesch lebte zunächst in Köpenick und Adlershof und machte ähnliche Erfahrungen; auch sie und ihre Tochter fühlten sich in der Nachbarschaft und Kita nicht wirklich angenommen. Im Reuterkiez sind sie sehr zufrieden. Die Befristung der Stelle als Stadtteilmutter auf zwei bzw. drei Jahre stimmt sie allerdings traurig. „Ich wünsche mir, immer Stadtteilmutter zu sein“. Beide Frauen haben selbst viel gelernt durch ihre Tätigkeit als Stadtteilmütter und Selbstvertrauen gewonnen. Sie haben eine Vorbildfunktion im Quartier für Menschen aus ihrer Community. Mit den Menschen im Kiez teilen sie die Angst vor steigenden Mietkosten und davor, bei Verlust der aktuellen Wohnung keine bezahlbare Wohnung mehr im Reuterkiez zu finden.

Infoblock

Diakoniewerk Simeon gGmbH

Fachbereich

Soziales & Integration

Stadtteilmütter Neukölln

Karl-Marx-Str. 83

12040 Berlin

Tel.: 030 902394185

Fax: 030 902394419

stadtteilmuetter@diakoniewerk-simeon.de

http://www.diakonie-integrationshilfe.de/de/sis-leistungen/stadtteilmuetter/projektbeschreibung.html

Wir kochen für den Kiez!

Senior_innen werden aktiv im Reuterkiez!

Auf Erfolgen ausruhen? Von Hindernissen aufhalten lassen? Nicht mit Sylvia-Fee Wadehn! Mit ihr stellen wir Euch die Person vor, die Angebote wie den neuen Dienstags-Mittagstisch im Kiez und viele andere Angebote ins Leben gerufen hat. Mit viel Herz und Hand vertritt sie nicht nur beruflich und politisch die Interessen der Senioren und Seniorinnen in Neukölln, sondern setzt sie auch durch.

Mit dem Verein MoRo Seniorenwohnanlagen e.V. bietet sie seit 2013 niedrigschwellige Begleitung und Betreuung für Senior_innen an, mit dem Grundsatz „Senioren Wohnen in Würde mit viel Freude“. Angefangen hat sie in einer Senioren-Wohnanlage der STADT UND LAND im Rollberg, in der sie selbst wohnt. Dort ermöglichen sie und ihr Team durch ein Angebot von Begegnungsräumen für Bewohner_innen, Nachbarschaft und Angehörige sowie gemeinsame Aktivitäten und Veranstaltungen ein lebhaftes Miteinander im Kiez. Gleichzeitig entlasten sie durch Begleitung zu Ärzten, Ämtern oder zum Einkaufen sowie Beratung in allen Seniorenangelegenheiten die Angehörigen und die Senior_innen selbst. „Einen Brückenschlag zwischen den Generationen“ nennt sie das Ziel, dass die Generationen „mit Freude zusammen leben, ohne sich auf den Keks zu gehen“.

Ein Defizit an Angeboten sowie einer Begegnungszentrum für Senior_innen gab es auch im Reuterkiez. Die bereits vorhandene Senioren-Wohnanlage in der Pflügerstr./Reuterstr./Friedelstr., die ebenfalls der STADT UND LAND gehört, stellte sich als idealer Ort heraus um das Konzept auch für die Bewohner_innen der Anlage im Reuterkiez anzubieten. In Zusammenarbeit mit der Senatsverwaltung StadtUm, dem Bezirk Neukölln Gebietskoordination-, Quartiersmanagement, der Wohnungsbaugesellschaft sowie dem Einverständnis der Bewohner_innen konnten der Beratungs- und Begleitservice sowie die gemeinsamen Aktivitäten zusätzlich für die Nachbarschaft geöffnet werden.

Sylvia-Fee Wadehn kannte bis dahin nur die „üblichen“ Orte des Reuterkiezes: den türkischen Wochenmarkt oder das Maibachufer. Negativ fielen ihr die vielen Fahrräder auf den Gehwegen auf. Mittlerweile fasziniert sie der „grün-alternative urbane“ Charakter, der sich durch die vielen und unterschiedlichsten kleinen Geschäfte und Initiativen zeigt. „Im Moment hat der Kiez eine gute Struktur“, aber als Gegnerin der Verstetigung befürchtet sie, dass gute Projekte und die Kleinteiligkeit der Angebote Gefahr laufen, daran kaputt zu gehen. „Es ist zu befürchten, dass der Wegfall des QMs eine nicht schließbare Lücke hinterlässt. Die Wünsche der Politik, dass sich alles selbst trägt und durch Ehrenamtliche geleistet wird, lösen sich nicht ein.“ Sie weiß aus Erfahrung, dass Projekte schon an fehlender Aufwandsentschädigung scheitern oder daran, nicht einmal Fahrtkosten abrechnen zu können. Auch die wichtige Vernetzungsarbeit im Kiez kostet Zeit und Geld und bedarf koordinierender Unterstützung. Nur so können ein Austausch von Angeboten und Ressourcen ohne die Entstehung von Konkurrenzsituationen gewährleistet oder die Nachbarschaft stärkende Kiezfeste organisiert werden. „Wir haben zum Beispiel eine gute Beschallungsanlage und hochwertige Grills, die wir ausleihen. Wir haben aber auch nur begrenzte Räumlichkeiten um uns noch mehr dem Kiez öffnen zu können. Ich darf nicht in die Situation kommen, den Jugendclub einzuladen und meinen Senior_innen zu sagen, ihr könnt hier heute keinen Kaffee trinken“. Wichtig sind außerdem geeignete Medien zur Kommunikation. Die Einstellung der Kiezzeitung „Reuter“ findet sie sehr bedauerlich. MoRo e.V. informiert zwar viel über das Internet, aber die meisten Senior_innen ab Mitte 70 sind mit diesem Medium gar nicht erreichbar. Guter Kontakt besteht zudem zu den Lokalzeitungen und „Kiez und Kneipe“.

„Allerdings ist die Zukunft des Projekts bereits gefährdet: die Anschlussfinanzierung durch den Bezirk ist bisher nicht gesichert. Im Bezirkshaushalt wurden nach einer Demonstration 2015 die Mittel für alle Senior_innen in Neukölln um 50.000 € erhöht. Eine Zustimmung des Stadtrats für Soziales, unsere Projekte im Reuterkiez und Rollberg bis Ende 2016 mit insgesamt 15.000 € zu finanzieren, steht noch aus. Auch die seit einem Jahr ausstehende Anerkennung durch das Landesamt für Gesundheit und Soziales, die weitere Fördermöglichkeiten eröffnen würde, gefährden die Existenz des ganzen Vereins.“

Derzeit kämpft Frau Wadehn für das Etablieren einer oder eines Beauftragten für Senior_innen als Bindeglied zwischen zuständigen Ämtern im Bezirksamt Neukölln und für eine Verbesserung des Seniorenservicebüros. Die Verteilung der Belange der Senior_innen auf mehrere Ressorts und die Kürzung von Beratungstagen im Sozialamt machen einfachste Angelegenheiten wie das Verlängern eines Seniorenpasses zur unüberwindbaren Aufgabe: „Stundenlanges Warten im Bürgeramt ist generell nicht zumutbar und für viele im höheren Alter einfach nicht möglich“.

Angesichts der immer größer und auch ärmer werdenden Gruppe der Senior_innen wünscht sie sich eine Seniorenkonferenz auf Bezirksebene zu Fragen wie: Was benötigt diese Gruppe in den Neuköllner Nachbarschaften? Was benötigen Hochbetagte hier? Senior_innen sind keine Heterogene Gruppe: Wer versteht sich wann als zur Gruppe der Senior_innen zugehörig, haben alle Geschlechter gleiche Bedürfnisse? Auch das Gefühl in der Gesellschaft, der Politik und der Verwaltung, dass es „schlimm“ sei zu den Senior_innen zu gehören, weil es immer mit Pflegebedürftigkeit gleichgesetzt wird, ist problematisch. „Wir fühlen uns behandelt wie unmündige Kinder. Senioren sind mehr als ein Pflegebedarf!“.

Frau Wadehn ist eine warmherzige, durchsetzungsstarke und hartnäckige Frau, die zur Not auch zu lauten und aufmerksamkeitserregenden Mitteln greift. Als beispielsweise das Jobcenter Neukölln im Mai 2015 die Finanzierung der MAE-Kräfte für den Beratungs- und Begleitservice streichen wollte und damit das Projekt kurz vor dem Aus stand, mobilisierte sie „ihre“ Senior_innen und Mitarbeiter_innen zum Protest. Mit Rollstühlen und Rollatoren bewegte sich ein Demonstrationszug bis in das Jobcenter und erkämpfte erfolgreich die Weiterfinanzierung des Projekts.

Auf die Frage, welche Personen oder Akteur_innen des Reuterkiezes sie inspirieren, nennt sie das Quartiersmanagement aufgrund der freundschaftlichen, guten Zusammenarbeit, das elele Nachbarschaftszentrum, die Kirchengemeinde und den Kiosk am Reuterplatz. Unter den Senior_innen hat Herr Wirths sie sehr beeindruckt, weil er alles über die Geschichte des Reuterkiezes weiß. Begeistert ist Sylvia-Fee Wadehn auch von der Kooperation mit dem von Ursula Bach geleiteten “Interkulturellen Seniorenprojekt“.

Infobox:

https://www.facebook.com/www.Facebock.comMoRoSeniorenwohnanlagen/

info@moroseniorenwohnanlagen.de

MoRo e.V. Hauptsitz Rollbergstr. 29 (Büro 22), Telefon 46998480

Wohnanlage Reuterstr. 42, Telefon 54839322

Folgende Angebote von MoRo e.V. finden regelmäßig in der Seniorenwohnanlage MoRo e.V., Reuterstraße 42 statt:

  • Spiele-Nachmittag:montags 15:00 Uhr- 17:00 Uhr
  • Beratung in allen Seniorenangelegenheiten: dienstags 10:00 Uhr- 12:00 Uhr
  • Senioren kochen für den Kiez: dienstags, 12:00 Uhr – 14:00 Uhr: Moro e.V. lädt Bewohner_innen im Quartier zum gemeinsamen Mittagessen ein. Im Anschluss spielen zur Verdauung
  • Kuchen, Kaffee und klönen mit Senioren: donnerstags, 15:00 Uhr – 17:00 Uhr
  • Samstag ab 09:00 Uhr gemeinsames Frühstück

 

„Wir, die wir hier wohnen, sind doch die eigentlichen ExpertInnen!“

Seit 1982 lebt Christine Skowronska-Koch im Reuterkiez. Und seit fast 30 Jahren ist sie beim Nachbarschaftszentrum elele in der Hobrechtstraße federführend mit dabei. Wer sich etwas länger mit ihr unterhält, merkt schnell: hier ist eine, die den Kiez wirklich kennt und ihre Umgebung durch unablässiges Engagement über die Jahre mitgestaltet hat.

„Wenn meine Söhne mal wieder meckern, dass das ganze Engagement doch eh nichts bringt, dann geh ich mit ihnen durch den Kiez und zeige ihnen von Fahrradständern über neu gepflanzte Bäume bis hin zu Fußgänger-Überquerungen, dass aktive Teilhabe eben doch zu Veränderungen führt“ erklärt Christine Skowronska-Koch ihren pragmatischen Ansatz in punkto Bürgerbeteiligung.

Die Mittfünfzigerin, die gleich um die Ecke vom elele wohnt, ist auch außerhalb des Nachbarschaftszentrums aktiv: im Quartiersrat, im Mietenbündnis sowie in der AG Wohnumfeld. „Diese AG hat sehr viel bewirkt hier im Kiez“ sagt sie. Dinge wie die oben zitierten Fahrradständer und auch andere Verbesserungen, die das tägliche Leben rund um den Reuterplatz erleichtern.

Was ist ihre Motivation, sich in einem solchen Umfang zu engagieren? „Mein persönlicher Ansatz hat auch viel mit der deutschen Übersetzung des Wortes elele zu tun: Hand in Hand.“ Die studierte Sozialpädagogin erklärt, dass ihr Engagement nicht unbedingt karitativ motiviert ist, sondern sie aus der Freude am gemeinsamen Gestalten handelt. „Für mich hat das Wohnen im Kiez eben auch ganz klar etwas mit Mitgestaltung zu tun. Wenn ich mich irgendwo heimisch fühlen will, dann muss ich mich aktiv mit meinem nachbarschaftlichen Umfeld auseinandersetzen. Einfach nur irgendwo zu wohnen und die Angebote um die Ecke zu konsumieren, wäre nichts für mich.“

Christine Skowronska-Koch genießt es demnach auch, dass sie so viele Leute im Kiez kennt und in so viele Gruppen und Initiativen eingebunden ist. Das macht das Umfeld für sie auch attraktiv.
Dennoch ist ihr bewusst, dass sie sich auch manchmal abschotten muss. „Wenn ich am Wochenende einkaufen gehe und Menschen aus meinem Arbeitsumfeld begegne, dann kann es schon mal sein, dass ich nicht so gesprächig wie sonst bin und nur kurz grüße“ gibt Frau Skowronska-Koch zu. „Aber ich brauche eben auch ab und zu mal diese Zeit für mich.“

Bei so viel ehrenamtlich aufgebrachter Zeit ist das sicherlich auch eine gesunde Haltung. Vor allem, weil sie mit Ihren vielen Aktivitäten auch durchaus in den öffentlichen Fokus gerückt ist und sicherlich jede freie Minute bei Workshops oder mit Initiativen verbringen könnte. Christine Skowronska-Koch mit ihrem bodenständigen, direkten Wesen ist jedoch keine, die sich nach Sektempfängen in Rathäusern oder offiziellen Auszeichnungen sehnt. Sie ist getrieben von dem durchaus altruistischen Wunsch, etwas für Ihren Kiez zu tun. Punkt.

Wenn man sie fragt, was sie sich für „ihr“ Nachbarschaftszentrum wünscht, mal ohne Beschränkungen und unter der Annahme voller Kassen, lacht sie kurz auf und sagt: „Wir brauchen einfach noch mehr Räume. Hier ist von morgens bis abends Betrieb und die Nachfrage nimmt nicht ab. Wir träumen auch von Außenflächen – und von einer besseren finanziellen Ausstattung, auch von Seiten des Bezirks.“

À propos finanzielle Ausstattung: Zum Ende des kommenden Jahres wird auch das Quartiersmanagement am Reuterplatz, das fast in direkter Nachbarschaft zum elele liegt, seine Arbeit einstellen. Das bedeutet auch, dass sich der Quartiersrat, der bislang durch QM-Mittel unterstützt wurde, zu einem neuen, zivilgesellschaftlichen Forum verändern wird. Christine Skowronska-Koch als eines der aktiven Mitglieder dieses Gremiums hofft, dass der Wandel gelingen wird und auch neue Interessierte mit hinzukommen werden. „Für uns ist das natürlich auch eine Herausforderung: wie gestalten wir eine solche Gruppe so, dass sie nicht ihre Identität verliert, aber dass sich auch Neuankömmlinge wohlfühlen können?“

Wer sich von Christine Skowronska-Koch inspiriert fühlt und auch Lust verspürt, den Kiez aktiv mitzugestalten, ist herzlich eingeladen, zum Quartiersrat Kontakt aufzunehmen: info@reuterforum.de.

Zum Schluss haben wir wie immer nachgefragt, wer denn sonst noch eine wichtige Inspirationsquelle im Kiez ist und wen wir als Nächstes interviewen könnten.
Die Antwort von Christine Skowronska-Koch: „Sie sollten auf jeden Fall das Team der katholischen St. Christophorus-Gemeinde treffen“ so die Empfehlung. „Die machen herausragende Aktionen, wie beispielsweise ‚Asyl in der Kirche’ und sind extrem offen und engagiert.“

Wir danken Christine Skowronska-Koch für das interessante Gespräch!

INFOBOX elele:
Christine Skowronska-Koch und Gülhatun Beyer
Hobrechtstraße 55
12047 Berlin
Tel: 030 623 60 92
Fax: 030 698 15 743
E-Mail: info@elele-berlin.de

Beitragsbild: UrbanPlus, 2015

„Um die Gegenwart verstehen zu können, ist es wichtig, in die Geschichte zu schauen“

Der Reuterkiez hat sich in wenigen Jahren so rasant verjüngt, dass es vielen alteingesessenen Bewohner_innen so vorkommen muss, als seien sie in eine ganz neue Gegend gezogen.
Das Viertel rund um den Reuterplatz wird oft als „bunt“ beschrieben. Tragen aber auch die Senior_innen, die immerhin ca. 8 % des Bevölkerungsanteils stellen, zu diesem bunten Erscheinungsbild bei oder werden sie eher übersehen?

Wir haben nachgefragt bei Ursula Bach, Diplom-Politologin und Projektleiterin des Interkulturellen Seniorenprojekts hier im Reuterkiez.

Ursula Bach beschäftigt sich seit knapp 30 Jahren mit zeitgeschichtlichen Projekten in Mikrokosmen. Der Kosmos, den sie am intensivsten studiert und erforscht hat, ist zweifellos die Gegend rund um den Reuterplatz. Hier hat sie seit 1989 mehrere Projekte zur Geschichte, unter anderem mit Zeitzeugen und deren persönlichen Geschichten durchgeführt. So fühlt sie sich dem Kiez auch stark zugehörig, obwohl sie auf der anderen Seite des Landwehrkanals wohnt. Beim Gespräch mit ihr beginnt man zu erahnen, welche identitätsstiftende Kraft die Geschichten der Kiezbewohner_innen haben – und wie gut es ist, dass sich jemand mit Interesse und Sachverstand diesen Erzählungen annimmt, sie zeitgeschichtlich einordnet und einem Publikum öffnet.

„Mir ist es wichtig, geschichtliches Wissen zu sichern“ sagt Ursula Bach auf die Frage nach der Motivation für ihre Arbeit. Das hat sie beispielsweise auch mit dem Geschichtsgesprächskreis an der VHS Neukölln, der immerhin zehn Jahre lang aktiv war, eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Im Rahmen ihres hiesigen Seniorenprojekts bietet sie Spaziergänge durch den Kiez an, organisiert gemeinsame Aktivitäten mit Kindern, Ausflüge zu interessanten Orten in Berlin, publiziert Broschüren mit Erinnerungen der Senior_innen an den Wandel des Reuterkiezes und hat bei alldem vor allem das Ziel, älteren Menschen aus dem Viertel bessere Teilhabechancen zu eröffnen.

„Bei der Seniorenarbeit, die ich mache, ist der Freizeit-, Kultur-, und Bildungsaspekt eindeutig im Vordergrund“ so Ursula Bach. „Ich will die Menschen aktivieren und sie zum Gestalten und Einmischen anregen“. Dieser Anspruch der Interessensvertretung für Ältere ist auch bei ihrem neuesten Projekt, der Ausstellung „Der Reuterkiez aus der Sicht älterer Menschen“, deutlich spürbar. 25 Senior_innen aus dem Viertel haben sich daran beteiligt, das Wohnumfeld und die Qualität des öffentlichen Raumes zu reflektieren und zu bewerten. Dabei kam klar heraus, dass zumindest innerhalb der Gruppe der Teilnehmenden die Vielfalt und das Treiben im Kiez durchaus geschätzt wird. Viele der Älteren gehen gern auch in die angesagten Cafés oder genießen die wachsenden kulturellen Angebote. Schwierig wird es allerdings da, wo die feine Balance des Miteinanders aus den Fugen gerät: wenn die Außenbestuhlung von Cafés plötzlich bis zur Bordsteinkante ausufert und man am Vorbeigehen gehindert wird, wenn fröhliche Stimmen und Musik aus den Bars im Lauf der Nacht zu einem schlafraubenden Dröhnen anschwellen oder wenn man aufgrund fehlender Radwege ständig Gefahr läuft, von einem auf dem Gehweg vorbeirasenden Fahrrad erfasst zu werden.

Das Interessante an der Ausstellung ist unter anderem ihr konstruktiver Ansatz. Für alle Aspekte, die von den Teilnehmenden als problematisch eingestuft wurden, gibt es konkrete Lösungsideen. „Wir sind für viele der genannten Themen mit Initiativen oder Personen in Kontakt, die uns konkret bei der Erarbeitung von Lösungen unterstützen. Einiges wollen wir in Zusammenarbeit mit der AG Wohnumfeld aus dem Reuterkiez umsetzen“ erzählt Ursula Bach. Ihr geht es dabei nicht um eine einseitige Durchsetzung von Interessen, sondern um ein gemeinsames Gestalten mit allen Bewohner_innen. Dabei ist die Leitfrage: In was für einer Welt wollen wir zusammen leben?

Auf die Frage, was ihr größter Traum in Bezug auf ihre Arbeit sei, denkt Ursula Bach kurz nach und schildert dann ihre Vision eines offenen Hauses, in dem sich Menschen aus allen Kulturen und über Generationen hinweg begegnen und miteinander sein können. Wie können Kiezbewohner_innen dieses wichtige Engagement unterstützen? „Vor allem: Weitererzählen, Menschen einladen, das Wissen und die Erzählungen der Älteren auch an die Orte der Jüngeren bringen und Möglichkeiten zum Austausch schaffen“.

Wen sollen wir als nächstes interviewen? Wer inspiriert und motiviert Ursula Bach bei ihrer täglichen Arbeit? Sofort hat sie einen Tipp für uns: „Der Kiosk am Reuterplatz. Das Team dort macht eine sehr engagierte Arbeit und der Ort an sich ist auch wichtig für meine beruflichen Aktivitäten“.

Alle, die sich die Ausstellung „Der Reuterkiez aus der Sicht älterer Menschen“ anschauen wollen, haben noch bis zum 14. Januar die Möglichkeit dazu. Jeweils Mo, Mi und Do in der Zeit von 10 bis 17 Uhr im Büro des QM Reuterplatz in der Hobrechtstr. 59. Öffnungszeiten: Mo., Mi. und Do. 10 – 17 Uhr (vom 24.12.2015 bis 3.1.2016 ist das Büro geschlossen).

Kontakt Ursula Bach: 030- 6119611 oder ursula-e-bach@gmx.de

Fotorechte: Friedhelm Hoffmann,
Ursula Bach im Gespräch beim Kiezspaziergang am 23.6.2015

Interview mit Kurz & Klein

Der Reuterkiez: Vielfältig, bunt, wandelbar, schnell, langsam & alles zugleich“

Lisa Sperling & Sara Rochol haben das Kurz & Klein im Jahre 2008 gegründet. Das liebevoll ausgestattete Ladengeschäft in der Nansenstraße 2 bietet alles, was man zum „zusammen Wachsen“ braucht – für Eltern und Kinder gleichermaßen. Das Kurz & Klein – Team hat einen ganz besonderen Ort im Reuterkiez geschaffen, wo Eltern, Kinder und Familien, beraten, willkommen geheißen und unterstützt werden.

Uns hat interessiert, was der Reuterkiez für Lisa Sperling und Sara Rochol bedeutet:

Der Reuterkiez ist schon lange das Zuhause des Kurz & Klein. Wir sind hier fest verwurzelt. Das ist unsere Nachbarschaft, unser Kiez. Wir arbeiten eng mit vielen Geschäften, Cafés, Restaurants, Spätis und Kneipen zusammen, versuchen uns gegenseitig zu unterstützen. Der Reuterkiez ist bunt und schön und voller Leben. So wie unser Laden.“

Das Kurz & Klein erkennt man schon von Weitem an den Kinderwägen und Laufrädern vor der Tür und am ständigen Kommen und Gehen von Eltern mit kleinen Kindern. Was genau passiert da eigentlich?

Wir bieten ein Rundumprogramm für Eltern und solche, die es werden. In unserem Geschäft findet sich alles, was Familien brauchen, von der Schwangerschaft über die Geburt bis zur Einschulung. Wir haben einen offenen Raum für Eltern zum Zusammenkommen und Austauschen. Unser Kursangebot umfasst von Geburtsvorbereitung, Rückbildung, Babymassage, PEKiP bis hin zur Beikostberatung, alles, was sich Eltern wünschen können. Unsere Hebammen- und Heilpraxis ist nicht nur Anlaufstelle für Schwangere und Eltern, sie bietet Homöopathie, Massagen und auch in schwierigen Situationen unterstützende Angebote.“

An wen richtet sich dieses Angebot eigentlich? Können sich hier alle aus dem Kiez angesprochen fühlen?

Zunächst einmal ist das Kurz & Klein ein „diskriminierungsfreier, weltoffener Ort, wo alle willkommen sind. Alle Familien, egal in welcher Zusammensetzung, alle Kinder und alle Eltern“, so die beiden Gründerinnen Lisa Sperling und Sara Rochol. Es ist jedoch auch klar, dass sich nicht jede_r aus dem Kiez die Angebote leisten kann. Deswegen wünscht sich das Team vor allem geförderte Kursplätze für Hartz 4 Empfänger. „Und natürlich auch langfristig haltbare Mieten“.

Denn eines ist klar: Orte wie das Kurz & Klein leben vor allem vom Engagement ihrer Gründer_innen. Um solche Angebote auch in Zukunft für den Kiez zu erhalten, braucht es eine starke Vernetzung und Präsenz mit anderen Akteuren im Viertel. Das Kurz & Klein ist schon von Beginn an sehr gut an die Menschen und Strukturen im Kiez angebunden. „Wir kommunizieren direkt mit den Menschen, unseren Nachbarn, den Schulkindern, die vorbei laufen“ so die beiden Gründerinnen. Auf die Frage, wie die Kiezbewohner noch besser zusammenarbeiten könnten:

„Wir finden den Zusammenhalt und das Miteinander schon sehr großartig. Neugier und offene Treffen zum Kennenlernen für die Vernetzung sind immer schön.“ Welche anderen Unternehmen und Initiativen aus der Nachbarschaft inspirieren das Kurz & Klein-Team?

„Das Refugio in der Lenaustraße, unsere Lieblingsschneiderin Ecke Reuterstraße, das BäckerInnen Kollektiv Mehlwurm in der Pannierstraße und viele andere mehr.“

Wir danken Lisa Sperling & Sara Rochol für das Interview

INFOBOX:

Kurz & Klein
Lisa Sperling & Sara Rochol GbR
Nansenstr. 2, 12047 Berlin

Tel: 030/61675372

Wir haben unseren Laden für Euch geöffnet von Mo bis Fr 11 – 18 Uhr und Sa 11 – 16 Uhr.

Kurz & Klein im Internet
eMail: info@kurz-klein.de

 

Interview mit Anja Winzer von der Elterninitiative Reuterkiez

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Was bedeutet der Reuterkiez für Sie?

Der Reuterkiez ist für uns ein «Zuhause im Werden» und «Heimat in spe für unsere Kinder». Es ist immer noch ein Kiez im Wandel, deshalb schlagen zwei Herzen in unserer Brust – zwischen weltoffenem Zusammenleben und teilweise recht ranziger Atmosphäre.

Was ist das Ziel Ihrer Arbeit?

Wir wollen weiterhin und immer noch die Situation im Kiez verbessern, das Heimatgefühl verstärken und (mit)gestalten. Wir wollen, dass es für alle Familien im Kiez leichter wird, sich hier zu Hause zu fühlen.

Was genau tun Sie?

Wir engagieren uns in Mitbestimmungsgremien, nehmen an den Sitzungen teil, und bringen die Familienaspekte ein. Wir setzen uns z.B. für das Elternzentrum auf dem neu zu bauenden Campus Rütli ein, haben uns an den Planungen dafür beteiligt.
Wir organisieren niedrigschwellige Möglichkeiten für Eltern, sich zu vernetzen, dafür machen wir Veranstaltungen und Aktionen: besonders bekannt ist der Winterspielplatz, einen ersten Auftakt mit der Stadtteillernwerkstatt gab es. Eine gut besuchte Aktion war die Elternfragerunde zu den Kiezgrundschulen.
Wir sind erster Elternanlaufpunkt für Probleme, Fragen und Anregungen im Kiez. Wir vermitteln zwischen den Familien und den verantwortlichen Akteuren.

Welche Menschen erreichen Sie damit?

An erster Stelle erreichen wir Familien …
und alle, die sich für das Thema Familie interessieren, das sind insbesondere Akteure, Verantwortliche, Anwohner.

Wie kommunizieren Sie innerhalb des Reuterkiezes?

Vorwiegend tauschen wir uns in persönlichen Gesprächen aus – beim Bringen und Abholen vor Kita, Schule, Hort, auf den Spielplätzen und bei Wegen durch den Kiez. Wir knüpfen Kontakte in Gremien.
Wir haben auch einen Verteiler mit Kiezeltern, Interessierten und Organisationen, die schreiben wir per E-Mail an. Jeder, der informiert werden möchte, kann sich in den Verteiler eintragen. Bei Facebook sind wir auch aktiv, mit manchen Eltern stehen wir dort in Kontakt. Andere bekommen SMS.
Unsere Aktivitäten leben vor allem aber davon, dass jeder die Infos bei sich weitererzählt, so dass dadurch die lebensanschaulich verschiedenen Familien zusammentreffen.

Wie und womit kann man Sie bei Ihrer Initiative / bei Ihrem Angebot unterstützen?

Am wichtigsten ist es, dass weitere aktive Eltern sich mit ihren Ideen und Anliegen für den Kiez an uns wenden und mitmachen!
Wir freuen uns auch über Spenden und darüber, dass Familien und Kiez-Anwohner auf unsere Veranstaltungen neugierig sind und daran teilnehmen. So wachsen am besten nachbarschaftlich zusammen.

Wie könnte die Bewohnerschaft / die Initiativen des Reuterkiez generell stärker zusammenarbeiten?
Eine Art „Kiezparlament“ wäre gut.
Für Initiativen und Ideen von Anwohnern wäre auch eine Kiezkasse sinnvoll, um kleine Projekte schnell und unbürokratisch finanziell zu unterstützen.
Für mehr Miteinander und mehr Allianzen sollte man den Ehrenamtspreis beibehalten und z.B. auch die Gebietskonferenz öfter durchführen – das sind gute Anlässe, um zu erfahren, was andere Initiativen gerade tun.

Wobei benötigen Sie die Unterstützung der Verwaltung bzw. des Bezirks?

Wir hoffen insbesondere auf weitere Unterstützung bei den Räumlichkeiten, z.B. Quartiershalle (für den Winterspielplatz), das Stadtteilzentrum (für Etablierung des Elternzentrums und anderer Initiativen auf dem Campus Rütli), Versammlungsräume etc.
Es wäre auch gut, weiterhin offene Ohren zu haben, wenn wir Fragen haben und Tipps brauchen, um etwas zu organisieren.
Die Errichtung des Elternzentrums auf dem Campus Rütli wird wohl auch wieder die Zusammenarbeit mit Verwaltung und Bezirk erfordern.

Nennen Sie uns eine(n) andere(n) Kiezbewohner(in) / eine Initiative, die Sie inspiriert?

Die Stadtteilwerkstatt ist eine gute Neuerung hier im Kiez. Leider funktioniert sie nicht so, wie sie ursprünglich gedacht war. Es hieß, die Stadtteillernwerkstatt soll auch Eltern und Familien gewidmet sein, aber momentan ist sie von Kitas und Schulen ausgebucht, Eltern und Familien kommen quasi gar nicht zum Zug.
Der Kiosk am Reuterplatz mit all seinen Engagierten früher und heute – das ist für uns ein Ort, der den alten und den neuen Reuterkiez repräsentiert und wichtige Arbeit macht.
Der Reuterkiez in einem Satz?

Vielfältig, extrem, das alte und neue Berlin.

Infobox:

Elterninitiative Reuterkiez e.V.
Weserstraße 24
12045 Berlin

Elterninitiative Reuterkiez im Internet

Elterninitiative Reuterkiez auf Facebook

Interview mit Sven Lager vom ShareHaus Refugio

„2015: Große Träume aufschreiben, das Unnötige zurücklassen. Dream big, leave the nonsense behind. Jede kann was, jeder hat Talent, gemeinsam sind wir reich.“

Das ist das Jahresmotto des Sharehauses Refugio, einer gemeinsamen Werkstatt des Sharehauses und der Berliner Stadtmission e.V. in der Lenausstrasse 3-4 im Berliner Reuterkiez.in Berlin Neukölln.

Das Refugio ist zentraler Teil des Sharehaus-Konzeptes, nämlich ein Lebens-und Arbeitsraum auf 5 Etagen für Menschen, die ihre Heimat verloren haben oder verlassen mussten, oder die nach neuem Leben und neuen Gemeinschaften suchen.

Sven Lager

Foto: Elke Naters und Sven Lager

Sharehaus – Das klingt nach Teilen und alternativem Austausch – aber was genau steckt dahinter? Wir haben mit Sven Lager, Projektleiter und Gründer des Refugio, gesprochen. Der Schriftsteller und Autor hat die Sharehaus-Idee gemeinsam mit seiner Frau Elke Naters von einem längeren Afrika-Besuch mitgebracht und dann schließlich im Reuterkiez umgesetzt.
„Wir starten ein Modellhaus, indem wir mit Einheimischen und Geflüchteten wohnen und leben, ein Cafe betreiben und einen Ort der Stille und des Gefundenwerdens schaffen. Unser Cafe wird jetzt im Winter für Familien erweitert, die mit ihren Kindern hier viel Platz haben“, so Sven Lager. Das Sharehaus-Team hat sich gemeinsam einem schon fast utopisch klingenden Ziel verschrieben: „ Wir wollen Gemeinschaft leben mit Geflüchteten und allen Menschen, die sich von der Gesellschaft an den Rand gedrängt fühlen. Und allen Menschen ein geistliches Zuhause geben, die nach Mehr im Leben suchen.“

Sven Lager ist es wichtig, dass sich dieses Angebot nicht ausschließlich nur an Geflüchtete und Hilfesuchende wendet, sondern an alle im Kiez, vor allem an diejenigen, die „mehr vom Leben wollen und neugierig auf Menschen anderer Kultur sind“.

Kommuniziert wird vor allem über das Café und in verschiedensten Netzwerken. Und vor allem aber auch über persönliche Begegnungen und übers Weitererzählen: „Wir alle im Haus lernen täglich andere Kiezbewohner kennen“ sagt Sven Lager.

Der Sharehaus-Leiter wünscht sich, dass viele andere Menschen aus dem Kiez seinem Beispiel folgen und Zimmer an Geflüchtete vermieten. Auch leerstehende Wohnungen bzw. ungenutzter Wohnraum kann in eine WG für Geflüchtete und Einheimische umgewandelt werden. Das Sharehaus-Team unterstützt bei der Planung und Umsetzung solcher Projekte. Auf die Frage, wie man die Initiative sonst noch unterstützen könnte, meint Sven Lager: “Einfach vorbeikommen und kennenlernen“. Darin liegt für ihn sowieso der Schlüssel für ein besseres Miteinander und einen größeren Zusammenhalt im Reuterkiez: „Die Menschen sollten sich besser kennenlernen und wertschätzen.“

Sven Lagers Vision endet jedoch nicht an der Kiezgrenze. Von der Bezirksverwaltung würde er sich beispielsweise wünschen, dass noch mehr Wohnungen bzw. ganze Häuser für integratives Wohnen bereitgestellt werden können.

Noch vor einem Jahr hätte man ein solches Projekt möglicherweise als eine gesellschaftliche Utopie oder als Insellösung betrachten können. In der derzeitigen Situation, in der fieberhaft nach Wohnraum für Geflüchtete aus aller Welt gesucht wird, zeigt sich die gesellschaftliche Relevanz eines Projektes wie des Sharehauses Refugio. Abgesehen vom Pragmatismus des reinen Unterbringens hinaus sammelt dieses Projekt jedoch vor allem auch ganz konkrete Erfahrungen in punkto Integration und Zusammenleben der Kulturen. Da ist der Reuterkiez sicherlich ein guter Standort für diese „Werkstatt der himmlischen Gesellschaft“, wie sich das ShareHaus selbst bezeichnet. Für Sven Lager ist die Gegend rund um den Reuterplatz ein „schöner bunter Kiez, in dem man Menschen aus allen Kulturen begegnet. So wir ich mir Deutschland wünsche. Hier bin ich Mensch, hier kann ich sein.“

Und, wie immer zum Schluss: Welche Nachbarn inspirieren das Sharehaus Refugio?

Die offene Siebdruckwerkstatt in der Pflügerstraße.
LINK: SiebDruckWerkstatt

Danke an Sven Lager!

Infobox:

ShareHaus Refugio
Lenaustrasse 3-4 in Nord-Neukölln, 12047 Berlin

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Email: refugio.berlin@gmail.com

 

Öffnungszeiten des Refugio Dachterrassen-Cafés: Dienstag-Samstag von 10 bis 18 Uhr

Refugioleitung im Haus und im Sharehausnetzwerk:

Sven Lager und Elke Naters.

Leitung in der Stadtmission: Gerold Vorländer.

Spenden:
Berliner Stadtmission
IBAN: DE63100205000003155500
Referenz: SHAREHAUS
Kto.: 31 555 00
BLZ: 100 205 00
BIC: BFSWDE33BER