Die Stadtteilmütter im Reuterkiez

Nisrine Jaafer und Faizun Nahar Chowdhury arbeiten als „Stadtteilmütter“ im Reuterkiez. Sie leben beide schon viele Jahre dort und sind der „Schlüssel“ zu den Türen von Familien, die durch Sozialarbeit und Jugendämter nicht geöffnet werden können.

Stadtteilmütter

Nisrine Jaafer und Faizun Nahar Chowdhury

Was tut eine „Stadtteilmutter“, wer kann ihre Unterstützung in Anspruch nehmen?

Für beide Frauen ist der Reuterkiez Lebensmittelpunkt. Hier gehen ihre Kinder zur Schule und in die Kita, hier wohnen Familie, Bekannte und Freunde, hier gibt es vielfältige Einkaufsmöglichkeiten, Cafés, Spielplätze und Freizeitmöglichkeiten. Das macht ihre Arbeit so erfolgreich. Durch das Eingebundensein in das Kiezleben, regelmäßige, wöchentliche Informationsveranstaltungen in den Grundschulen, Elterncafés und Kitas, die Teilnahme am Frauenfrühstück oder an Kiezfesten, knüpfen die Stadtteilmütter Kontakt zu anderen Eltern. So helfen sie, Sprachbarrieren zu überwinden und informieren über wichtige Themen in Bereichen der Kindererziehung und Unterstützungsmöglichkeiten für Familien. Sie geben ihr Wissen weiter, machen Hausbesuche, übersetzen Briefe oder dolmetschen und vermitteln an Beratungsstellen. Die 6-monatige Ausbildung zur Stadtteilmutter umfasst die Qualifizierung in 10 Themenbereichen: vom Bildungssystem über Gesunde Ernährung, Rechte von Kindern bis zur Suchtvorbeugung. Zahlreiche Broschüren, die in vielen Sprachen erhältlich sind, informieren darüber und über entsprechende Beratungs- und Anlaufstellen. Das Bezirksamt Neukölln hat von 2006 bis 2016 rund 400 migrantische Frauen ausgebildet von denen rund 70 derzeit aktiv in Neuköllner Quartiersmanagementgebieten und den ehemaligen Zielgebieten des Programms „Aktionsraum Plus“ tätig sind. Das Integrationsprojekt wird aus Programmitteln des Bezirks Neukölln, der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt und des JobCenters Berlin-Neukölln finanziert. Träger des Projektes ist das Diakoniewerk Simeon gGmbH. Über diese Kooperationspartner ist eine Finanzierung bis Ende 2019 gesichert. Die Regelfinanzierung des mit 11 nationalen und internationalen Preisen ausgezeichneten Projektes steht noch aus.

Wo kann man die „Stadtteilmütter“ treffen?

Das Erkennungszeichen der Stadtteilmütter ist stets ein roter Schal, eine rote Umhängetasche und das Namensschild. Sehr wichtig ist die Zusammenarbeit mit Kindertagesstätten, Grundschulen, Eltern- und Nachbarschaftstreffs, Beratungsdiensten und der Jugendhilfe im Kiez. Schulleitungen, Lehrer_innen und das Personal von Kitas oder des elele unterstützen die Stadtteilmütter Räumlichkeiten und der Organisation von Veranstaltungen. Die Villa Kunterbunt bietet beispielsweise jeden ersten Mittwoch eine Lernwerksatt an. Dort können Kinder zusammen mit ihren Eltern zu verschiedenen Themen experimentieren. Neu ist das Elterncafé in der Villa Kunterbunt jeden Freitag. Ebenso entstehen auf dem Rütlicampus neue Räumlichkeiten für Eltern. Auch hier sind die Stadtteilmütter stets dabei. Zusammen mit der Elterninitiative des Rütlicampus organisieren sie die Öffnung des Winterspielplatzes jeden Sonntag von 14-17 Uhr.

Wie erleben die „Stadtteilmütter“ den Reuterkiez privat?

Der Reuterkiez ist Frau Jaafers „Lieblingsort“. „Ich möchte nie diesen Ort verlassen“. Auch für Frau Chowdhury ist der Reuterkiez etwas „sehr besonderes“. Es gibt alles was man braucht, beide Frauen betonen „Multikulti“, den Zusammenhalt und die Unterstützung unter den Bewohner_innen sowie die Kommunikation auf der Straße als Wohlfühlfaktoren. Sie haben gute Kontakte zu Menschen eigener und anderer Herkunft, auch zu den deutschen Mitmenschen. Nisrine Jaafer aus dem Libanon wohnte anfangs in Spandau. Vor 11 Jahren zog nach Neukölln, weil sie sich als „einzige arabische Frau mit Kopftuch“ in ihrem Wohnumfeld nicht sehr wohl fühlte. Faizun Nahar Chowdhury aus Bangladesch lebte zunächst in Köpenick und Adlershof und machte ähnliche Erfahrungen; auch sie und ihre Tochter fühlten sich in der Nachbarschaft und Kita nicht wirklich angenommen. Im Reuterkiez sind sie sehr zufrieden. Die Befristung der Stelle als Stadtteilmutter auf zwei bzw. drei Jahre stimmt sie allerdings traurig. „Ich wünsche mir, immer Stadtteilmutter zu sein“. Beide Frauen haben selbst viel gelernt durch ihre Tätigkeit als Stadtteilmütter und Selbstvertrauen gewonnen. Sie haben eine Vorbildfunktion im Quartier für Menschen aus ihrer Community. Mit den Menschen im Kiez teilen sie die Angst vor steigenden Mietkosten und davor, bei Verlust der aktuellen Wohnung keine bezahlbare Wohnung mehr im Reuterkiez zu finden.

Infoblock

Diakoniewerk Simeon gGmbH

Fachbereich

Soziales & Integration

Stadtteilmütter Neukölln

Karl-Marx-Str. 83

12040 Berlin

Tel.: 030 902394185

Fax: 030 902394419

stadtteilmuetter@diakoniewerk-simeon.de

http://www.diakonie-integrationshilfe.de/de/sis-leistungen/stadtteilmuetter/projektbeschreibung.html