„Wir, die wir hier wohnen, sind doch die eigentlichen ExpertInnen!“

Seit 1982 lebt Christine Skowronska-Koch im Reuterkiez. Und seit fast 30 Jahren ist sie beim Nachbarschaftszentrum elele in der Hobrechtstraße federführend mit dabei. Wer sich etwas länger mit ihr unterhält, merkt schnell: hier ist eine, die den Kiez wirklich kennt und ihre Umgebung durch unablässiges Engagement über die Jahre mitgestaltet hat.

„Wenn meine Söhne mal wieder meckern, dass das ganze Engagement doch eh nichts bringt, dann geh ich mit ihnen durch den Kiez und zeige ihnen von Fahrradständern über neu gepflanzte Bäume bis hin zu Fußgänger-Überquerungen, dass aktive Teilhabe eben doch zu Veränderungen führt“ erklärt Christine Skowronska-Koch ihren pragmatischen Ansatz in punkto Bürgerbeteiligung.

Die Mittfünfzigerin, die gleich um die Ecke vom elele wohnt, ist auch außerhalb des Nachbarschaftszentrums aktiv: im Quartiersrat, im Mietenbündnis sowie in der AG Wohnumfeld. „Diese AG hat sehr viel bewirkt hier im Kiez“ sagt sie. Dinge wie die oben zitierten Fahrradständer und auch andere Verbesserungen, die das tägliche Leben rund um den Reuterplatz erleichtern.

Was ist ihre Motivation, sich in einem solchen Umfang zu engagieren? „Mein persönlicher Ansatz hat auch viel mit der deutschen Übersetzung des Wortes elele zu tun: Hand in Hand.“ Die studierte Sozialpädagogin erklärt, dass ihr Engagement nicht unbedingt karitativ motiviert ist, sondern sie aus der Freude am gemeinsamen Gestalten handelt. „Für mich hat das Wohnen im Kiez eben auch ganz klar etwas mit Mitgestaltung zu tun. Wenn ich mich irgendwo heimisch fühlen will, dann muss ich mich aktiv mit meinem nachbarschaftlichen Umfeld auseinandersetzen. Einfach nur irgendwo zu wohnen und die Angebote um die Ecke zu konsumieren, wäre nichts für mich.“

Christine Skowronska-Koch genießt es demnach auch, dass sie so viele Leute im Kiez kennt und in so viele Gruppen und Initiativen eingebunden ist. Das macht das Umfeld für sie auch attraktiv.
Dennoch ist ihr bewusst, dass sie sich auch manchmal abschotten muss. „Wenn ich am Wochenende einkaufen gehe und Menschen aus meinem Arbeitsumfeld begegne, dann kann es schon mal sein, dass ich nicht so gesprächig wie sonst bin und nur kurz grüße“ gibt Frau Skowronska-Koch zu. „Aber ich brauche eben auch ab und zu mal diese Zeit für mich.“

Bei so viel ehrenamtlich aufgebrachter Zeit ist das sicherlich auch eine gesunde Haltung. Vor allem, weil sie mit Ihren vielen Aktivitäten auch durchaus in den öffentlichen Fokus gerückt ist und sicherlich jede freie Minute bei Workshops oder mit Initiativen verbringen könnte. Christine Skowronska-Koch mit ihrem bodenständigen, direkten Wesen ist jedoch keine, die sich nach Sektempfängen in Rathäusern oder offiziellen Auszeichnungen sehnt. Sie ist getrieben von dem durchaus altruistischen Wunsch, etwas für Ihren Kiez zu tun. Punkt.

Wenn man sie fragt, was sie sich für „ihr“ Nachbarschaftszentrum wünscht, mal ohne Beschränkungen und unter der Annahme voller Kassen, lacht sie kurz auf und sagt: „Wir brauchen einfach noch mehr Räume. Hier ist von morgens bis abends Betrieb und die Nachfrage nimmt nicht ab. Wir träumen auch von Außenflächen – und von einer besseren finanziellen Ausstattung, auch von Seiten des Bezirks.“

À propos finanzielle Ausstattung: Zum Ende des kommenden Jahres wird auch das Quartiersmanagement am Reuterplatz, das fast in direkter Nachbarschaft zum elele liegt, seine Arbeit einstellen. Das bedeutet auch, dass sich der Quartiersrat, der bislang durch QM-Mittel unterstützt wurde, zu einem neuen, zivilgesellschaftlichen Forum verändern wird. Christine Skowronska-Koch als eines der aktiven Mitglieder dieses Gremiums hofft, dass der Wandel gelingen wird und auch neue Interessierte mit hinzukommen werden. „Für uns ist das natürlich auch eine Herausforderung: wie gestalten wir eine solche Gruppe so, dass sie nicht ihre Identität verliert, aber dass sich auch Neuankömmlinge wohlfühlen können?“

Wer sich von Christine Skowronska-Koch inspiriert fühlt und auch Lust verspürt, den Kiez aktiv mitzugestalten, ist herzlich eingeladen, zum Quartiersrat Kontakt aufzunehmen: info@reuterforum.de.

Zum Schluss haben wir wie immer nachgefragt, wer denn sonst noch eine wichtige Inspirationsquelle im Kiez ist und wen wir als Nächstes interviewen könnten.
Die Antwort von Christine Skowronska-Koch: „Sie sollten auf jeden Fall das Team der katholischen St. Christophorus-Gemeinde treffen“ so die Empfehlung. „Die machen herausragende Aktionen, wie beispielsweise ‚Asyl in der Kirche’ und sind extrem offen und engagiert.“

Wir danken Christine Skowronska-Koch für das interessante Gespräch!

INFOBOX elele:
Christine Skowronska-Koch und Gülhatun Beyer
Hobrechtstraße 55
12047 Berlin
Tel: 030 623 60 92
Fax: 030 698 15 743
E-Mail: info@elele-berlin.de

Beitragsbild: UrbanPlus, 2015