Interview mit Kurz & Klein

Der Reuterkiez: Vielfältig, bunt, wandelbar, schnell, langsam & alles zugleich“

Lisa Sperling & Sara Rochol haben das Kurz & Klein im Jahre 2008 gegründet. Das liebevoll ausgestattete Ladengeschäft in der Nansenstraße 2 bietet alles, was man zum „zusammen Wachsen“ braucht – für Eltern und Kinder gleichermaßen. Das Kurz & Klein – Team hat einen ganz besonderen Ort im Reuterkiez geschaffen, wo Eltern, Kinder und Familien, beraten, willkommen geheißen und unterstützt werden.

Uns hat interessiert, was der Reuterkiez für Lisa Sperling und Sara Rochol bedeutet:

Der Reuterkiez ist schon lange das Zuhause des Kurz & Klein. Wir sind hier fest verwurzelt. Das ist unsere Nachbarschaft, unser Kiez. Wir arbeiten eng mit vielen Geschäften, Cafés, Restaurants, Spätis und Kneipen zusammen, versuchen uns gegenseitig zu unterstützen. Der Reuterkiez ist bunt und schön und voller Leben. So wie unser Laden.“

Das Kurz & Klein erkennt man schon von Weitem an den Kinderwägen und Laufrädern vor der Tür und am ständigen Kommen und Gehen von Eltern mit kleinen Kindern. Was genau passiert da eigentlich?

Wir bieten ein Rundumprogramm für Eltern und solche, die es werden. In unserem Geschäft findet sich alles, was Familien brauchen, von der Schwangerschaft über die Geburt bis zur Einschulung. Wir haben einen offenen Raum für Eltern zum Zusammenkommen und Austauschen. Unser Kursangebot umfasst von Geburtsvorbereitung, Rückbildung, Babymassage, PEKiP bis hin zur Beikostberatung, alles, was sich Eltern wünschen können. Unsere Hebammen- und Heilpraxis ist nicht nur Anlaufstelle für Schwangere und Eltern, sie bietet Homöopathie, Massagen und auch in schwierigen Situationen unterstützende Angebote.“

An wen richtet sich dieses Angebot eigentlich? Können sich hier alle aus dem Kiez angesprochen fühlen?

Zunächst einmal ist das Kurz & Klein ein „diskriminierungsfreier, weltoffener Ort, wo alle willkommen sind. Alle Familien, egal in welcher Zusammensetzung, alle Kinder und alle Eltern“, so die beiden Gründerinnen Lisa Sperling und Sara Rochol. Es ist jedoch auch klar, dass sich nicht jede_r aus dem Kiez die Angebote leisten kann. Deswegen wünscht sich das Team vor allem geförderte Kursplätze für Hartz 4 Empfänger. „Und natürlich auch langfristig haltbare Mieten“.

Denn eines ist klar: Orte wie das Kurz & Klein leben vor allem vom Engagement ihrer Gründer_innen. Um solche Angebote auch in Zukunft für den Kiez zu erhalten, braucht es eine starke Vernetzung und Präsenz mit anderen Akteuren im Viertel. Das Kurz & Klein ist schon von Beginn an sehr gut an die Menschen und Strukturen im Kiez angebunden. „Wir kommunizieren direkt mit den Menschen, unseren Nachbarn, den Schulkindern, die vorbei laufen“ so die beiden Gründerinnen. Auf die Frage, wie die Kiezbewohner noch besser zusammenarbeiten könnten:

„Wir finden den Zusammenhalt und das Miteinander schon sehr großartig. Neugier und offene Treffen zum Kennenlernen für die Vernetzung sind immer schön.“ Welche anderen Unternehmen und Initiativen aus der Nachbarschaft inspirieren das Kurz & Klein-Team?

„Das Refugio in der Lenaustraße, unsere Lieblingsschneiderin Ecke Reuterstraße, das BäckerInnen Kollektiv Mehlwurm in der Pannierstraße und viele andere mehr.“

Wir danken Lisa Sperling & Sara Rochol für das Interview

INFOBOX:

Kurz & Klein
Lisa Sperling & Sara Rochol GbR
Nansenstr. 2, 12047 Berlin

Tel: 030/61675372

Wir haben unseren Laden für Euch geöffnet von Mo bis Fr 11 – 18 Uhr und Sa 11 – 16 Uhr.

Kurz & Klein im Internet
eMail: info@kurz-klein.de

 

Interview mit Anja Winzer von der Elterninitiative Reuterkiez

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Was bedeutet der Reuterkiez für Sie?

Der Reuterkiez ist für uns ein «Zuhause im Werden» und «Heimat in spe für unsere Kinder». Es ist immer noch ein Kiez im Wandel, deshalb schlagen zwei Herzen in unserer Brust – zwischen weltoffenem Zusammenleben und teilweise recht ranziger Atmosphäre.

Was ist das Ziel Ihrer Arbeit?

Wir wollen weiterhin und immer noch die Situation im Kiez verbessern, das Heimatgefühl verstärken und (mit)gestalten. Wir wollen, dass es für alle Familien im Kiez leichter wird, sich hier zu Hause zu fühlen.

Was genau tun Sie?

Wir engagieren uns in Mitbestimmungsgremien, nehmen an den Sitzungen teil, und bringen die Familienaspekte ein. Wir setzen uns z.B. für das Elternzentrum auf dem neu zu bauenden Campus Rütli ein, haben uns an den Planungen dafür beteiligt.
Wir organisieren niedrigschwellige Möglichkeiten für Eltern, sich zu vernetzen, dafür machen wir Veranstaltungen und Aktionen: besonders bekannt ist der Winterspielplatz, einen ersten Auftakt mit der Stadtteillernwerkstatt gab es. Eine gut besuchte Aktion war die Elternfragerunde zu den Kiezgrundschulen.
Wir sind erster Elternanlaufpunkt für Probleme, Fragen und Anregungen im Kiez. Wir vermitteln zwischen den Familien und den verantwortlichen Akteuren.

Welche Menschen erreichen Sie damit?

An erster Stelle erreichen wir Familien …
und alle, die sich für das Thema Familie interessieren, das sind insbesondere Akteure, Verantwortliche, Anwohner.

Wie kommunizieren Sie innerhalb des Reuterkiezes?

Vorwiegend tauschen wir uns in persönlichen Gesprächen aus – beim Bringen und Abholen vor Kita, Schule, Hort, auf den Spielplätzen und bei Wegen durch den Kiez. Wir knüpfen Kontakte in Gremien.
Wir haben auch einen Verteiler mit Kiezeltern, Interessierten und Organisationen, die schreiben wir per E-Mail an. Jeder, der informiert werden möchte, kann sich in den Verteiler eintragen. Bei Facebook sind wir auch aktiv, mit manchen Eltern stehen wir dort in Kontakt. Andere bekommen SMS.
Unsere Aktivitäten leben vor allem aber davon, dass jeder die Infos bei sich weitererzählt, so dass dadurch die lebensanschaulich verschiedenen Familien zusammentreffen.

Wie und womit kann man Sie bei Ihrer Initiative / bei Ihrem Angebot unterstützen?

Am wichtigsten ist es, dass weitere aktive Eltern sich mit ihren Ideen und Anliegen für den Kiez an uns wenden und mitmachen!
Wir freuen uns auch über Spenden und darüber, dass Familien und Kiez-Anwohner auf unsere Veranstaltungen neugierig sind und daran teilnehmen. So wachsen am besten nachbarschaftlich zusammen.

Wie könnte die Bewohnerschaft / die Initiativen des Reuterkiez generell stärker zusammenarbeiten?
Eine Art „Kiezparlament“ wäre gut.
Für Initiativen und Ideen von Anwohnern wäre auch eine Kiezkasse sinnvoll, um kleine Projekte schnell und unbürokratisch finanziell zu unterstützen.
Für mehr Miteinander und mehr Allianzen sollte man den Ehrenamtspreis beibehalten und z.B. auch die Gebietskonferenz öfter durchführen – das sind gute Anlässe, um zu erfahren, was andere Initiativen gerade tun.

Wobei benötigen Sie die Unterstützung der Verwaltung bzw. des Bezirks?

Wir hoffen insbesondere auf weitere Unterstützung bei den Räumlichkeiten, z.B. Quartiershalle (für den Winterspielplatz), das Stadtteilzentrum (für Etablierung des Elternzentrums und anderer Initiativen auf dem Campus Rütli), Versammlungsräume etc.
Es wäre auch gut, weiterhin offene Ohren zu haben, wenn wir Fragen haben und Tipps brauchen, um etwas zu organisieren.
Die Errichtung des Elternzentrums auf dem Campus Rütli wird wohl auch wieder die Zusammenarbeit mit Verwaltung und Bezirk erfordern.

Nennen Sie uns eine(n) andere(n) Kiezbewohner(in) / eine Initiative, die Sie inspiriert?

Die Stadtteilwerkstatt ist eine gute Neuerung hier im Kiez. Leider funktioniert sie nicht so, wie sie ursprünglich gedacht war. Es hieß, die Stadtteillernwerkstatt soll auch Eltern und Familien gewidmet sein, aber momentan ist sie von Kitas und Schulen ausgebucht, Eltern und Familien kommen quasi gar nicht zum Zug.
Der Kiosk am Reuterplatz mit all seinen Engagierten früher und heute – das ist für uns ein Ort, der den alten und den neuen Reuterkiez repräsentiert und wichtige Arbeit macht.
Der Reuterkiez in einem Satz?

Vielfältig, extrem, das alte und neue Berlin.

Infobox:

Elterninitiative Reuterkiez e.V.
Weserstraße 24
12045 Berlin

Elterninitiative Reuterkiez im Internet

Elterninitiative Reuterkiez auf Facebook

Interview mit Sven Lager vom ShareHaus Refugio

„2015: Große Träume aufschreiben, das Unnötige zurücklassen. Dream big, leave the nonsense behind. Jede kann was, jeder hat Talent, gemeinsam sind wir reich.“

Das ist das Jahresmotto des Sharehauses Refugio, einer gemeinsamen Werkstatt des Sharehauses und der Berliner Stadtmission e.V. in der Lenausstrasse 3-4 im Berliner Reuterkiez.in Berlin Neukölln.

Das Refugio ist zentraler Teil des Sharehaus-Konzeptes, nämlich ein Lebens-und Arbeitsraum auf 5 Etagen für Menschen, die ihre Heimat verloren haben oder verlassen mussten, oder die nach neuem Leben und neuen Gemeinschaften suchen.

Sven Lager

Foto: Elke Naters und Sven Lager

Sharehaus – Das klingt nach Teilen und alternativem Austausch – aber was genau steckt dahinter? Wir haben mit Sven Lager, Projektleiter und Gründer des Refugio, gesprochen. Der Schriftsteller und Autor hat die Sharehaus-Idee gemeinsam mit seiner Frau Elke Naters von einem längeren Afrika-Besuch mitgebracht und dann schließlich im Reuterkiez umgesetzt.
„Wir starten ein Modellhaus, indem wir mit Einheimischen und Geflüchteten wohnen und leben, ein Cafe betreiben und einen Ort der Stille und des Gefundenwerdens schaffen. Unser Cafe wird jetzt im Winter für Familien erweitert, die mit ihren Kindern hier viel Platz haben“, so Sven Lager. Das Sharehaus-Team hat sich gemeinsam einem schon fast utopisch klingenden Ziel verschrieben: „ Wir wollen Gemeinschaft leben mit Geflüchteten und allen Menschen, die sich von der Gesellschaft an den Rand gedrängt fühlen. Und allen Menschen ein geistliches Zuhause geben, die nach Mehr im Leben suchen.“

Sven Lager ist es wichtig, dass sich dieses Angebot nicht ausschließlich nur an Geflüchtete und Hilfesuchende wendet, sondern an alle im Kiez, vor allem an diejenigen, die „mehr vom Leben wollen und neugierig auf Menschen anderer Kultur sind“.

Kommuniziert wird vor allem über das Café und in verschiedensten Netzwerken. Und vor allem aber auch über persönliche Begegnungen und übers Weitererzählen: „Wir alle im Haus lernen täglich andere Kiezbewohner kennen“ sagt Sven Lager.

Der Sharehaus-Leiter wünscht sich, dass viele andere Menschen aus dem Kiez seinem Beispiel folgen und Zimmer an Geflüchtete vermieten. Auch leerstehende Wohnungen bzw. ungenutzter Wohnraum kann in eine WG für Geflüchtete und Einheimische umgewandelt werden. Das Sharehaus-Team unterstützt bei der Planung und Umsetzung solcher Projekte. Auf die Frage, wie man die Initiative sonst noch unterstützen könnte, meint Sven Lager: “Einfach vorbeikommen und kennenlernen“. Darin liegt für ihn sowieso der Schlüssel für ein besseres Miteinander und einen größeren Zusammenhalt im Reuterkiez: „Die Menschen sollten sich besser kennenlernen und wertschätzen.“

Sven Lagers Vision endet jedoch nicht an der Kiezgrenze. Von der Bezirksverwaltung würde er sich beispielsweise wünschen, dass noch mehr Wohnungen bzw. ganze Häuser für integratives Wohnen bereitgestellt werden können.

Noch vor einem Jahr hätte man ein solches Projekt möglicherweise als eine gesellschaftliche Utopie oder als Insellösung betrachten können. In der derzeitigen Situation, in der fieberhaft nach Wohnraum für Geflüchtete aus aller Welt gesucht wird, zeigt sich die gesellschaftliche Relevanz eines Projektes wie des Sharehauses Refugio. Abgesehen vom Pragmatismus des reinen Unterbringens hinaus sammelt dieses Projekt jedoch vor allem auch ganz konkrete Erfahrungen in punkto Integration und Zusammenleben der Kulturen. Da ist der Reuterkiez sicherlich ein guter Standort für diese „Werkstatt der himmlischen Gesellschaft“, wie sich das ShareHaus selbst bezeichnet. Für Sven Lager ist die Gegend rund um den Reuterplatz ein „schöner bunter Kiez, in dem man Menschen aus allen Kulturen begegnet. So wir ich mir Deutschland wünsche. Hier bin ich Mensch, hier kann ich sein.“

Und, wie immer zum Schluss: Welche Nachbarn inspirieren das Sharehaus Refugio?

Die offene Siebdruckwerkstatt in der Pflügerstraße.
LINK: SiebDruckWerkstatt

Danke an Sven Lager!

Infobox:

ShareHaus Refugio
Lenaustrasse 3-4 in Nord-Neukölln, 12047 Berlin

ShareHaus im Internet

ShareHaus auf Facebook

Email: refugio.berlin@gmail.com

 

Öffnungszeiten des Refugio Dachterrassen-Cafés: Dienstag-Samstag von 10 bis 18 Uhr

Refugioleitung im Haus und im Sharehausnetzwerk:

Sven Lager und Elke Naters.

Leitung in der Stadtmission: Gerold Vorländer.

Spenden:
Berliner Stadtmission
IBAN: DE63100205000003155500
Referenz: SHAREHAUS
Kto.: 31 555 00
BLZ: 100 205 00
BIC: BFSWDE33BER